Es macht tse-tse. Es ist aber nicht kaputt, es klingt wirklich so!

von Wiener Konzerthaus (Von Katharina Mühl)

Martin Grubinger lud am 12. Februar 2013 zum Konzert von Mamadou Diabate’s Percussion Mania, das sich thematisch sinnvoll in das Programm des Zyklus «Percussive Planet» fügte. Denn die Idee des Zyklus bestand darin, die Vielseitigkeit des Schlagwerks zu präsentieren. Der afrikanischen Trommeltradition mit ihren modernen Einflüssen wurde in diesem Konzert damit eine wichtige Plattform zur Präsentation geboten und dem Publikum eine völlig neue Sicht auf den Rhythmus gewährt. undefinedundefinedundefinedundefinedRhythmus zählt zu den geheimen Mächten dieser Welt und begleitet den Menschen vom ersten Augenblick an: Der Zeugungsakt selbst lässt sich auf den synchronen Rhythmus zweier Menschen zurückführen und bald schon gibt das Herz der Mutter jenes Metrum vor, das den Menschen bis zum Tod begleiten soll. Diese ursprüngliche Verbundenheit des Rhythmus zur Natur schwingt in jenem Schlaginstrument mit, das auf eine lange Tradition in Westafrika zurückgeht: das Balafon.

Der Große Saal präsentierte sich eingetaucht in erdige Farben und magisches Blau. Mit einer Art gesungener Spieltechnik kündigte der Klang der «flute peule», gespielt von Dramane Dembele, den Beginn des musikalischen Erlebnisses an. Begleitet von zwei Balafonen (Mamadou Diabaté, Seydou Diabaté), einer Djembe, Talking Drum, Dunduns (Karim Sanou, Abdoulaye Dembele, Zacaria Kone) und der fesselnden Stimme der Sängerin Kandy Guira versetzte das erste Musikstück das Publikum zunächst in einen tranceartigen Zustand. Der Bassist Juan Garcia Herreros erweiterte seinen kreativen Spielraum mit einem Looper und schuf weitere Klangebenen, die den atmosphärischen Hintergrund bildeten.

Die Musikerinnen und Musiker führten sodann in eine Welt, in der zu Musik gewordener Rhythmus Inhalte vermittelt: die Welt der Griots, die mithilfe von Musik die Geschichten ihrer Völker bewahren. Für die Versprachlichung der zum Großteil von Mamadou Diabaté selbst komponierten Musikstücke sorgte er in Zusammenarbeit mit Juan Garcia Herreros und erntete mit vielen seiner Äußerungen spontanen Applaus vom Publikum.

Dass ein Konzertsaal nicht unbedingt das akustische Ideal für die an diesem Abend dargebotene Musik und Instrumente darstellt zeigte sich beispielsweise (an einer Wand aus Plexiglas, hinter die die Djembe wegen ihrer übermächtigen Lautstärke notgedrungen verbannt wurde). Das Abnehmen des Balafons und das Austarieren der Lautstärke der unterschiedlichen Instrumente (zum Einsatz kamen auch die Saiteninstrumente Kora und Ngoni) stellt sowieso eine Herausforderung dar, weshalb der erfahrene Tontechniker Jürgen Fehringer seit nunmehr zwei Jahren die außergewöhnliche Formation begleitet.

Mamadou Diabaté stellte im Laufe des Abends sein Können auf dem Balafon unter Beweis und schreckte auch nicht davor zurück – wie bei Martin Grubinger gesehen – es mit vier anstatt zwei Schlägern zu bedienen. Mir ist zwar nicht bekannt, dass angesichts dessen Damen an diesem Abend das Bewusstsein verloren – im Gegenteil zu jenen Damen, die Mamadou Diabatés innovative Spieltechnik zum ersten Mal bei einem bedeutenden Balafon-Wettbewerb in seiner Heimat erlebten (den er auch gewann) – dennoch ließ er sein Publikum durch seine virtuose Technik und der unglaublichen Präzision im Zusammenspiel mit seiner Formation überzeugt zurück. Die Beherrschung ihrer Instrumente ist kaum anders zu erklären als dass die Musiker förmlich eins mit ihnen wurden. Neben den herausragenden Musikern und der Sängerin aus Burkina Faso, brillierte auch der aus Kolumbien stammende Juan Garcia Herreros am Bass.

Die klassisch eingestellten Neuronen im Gehirn wurden von der Musik Mamadou Diabaté’s Percussion Mania auf angenehm ungewohnte Weise stimuliert: Die auffälligen Instrumente und Tonskalen und die elektrisierenden polyrhythmischen Strukturen kreierten Atmosphäre und  Sound, die man sich auch in den besten Elektroschuppen der Stadt vorstellen kann.