Pressetext zur neuen CD "Masaba kan"

Bandname: Mamadou Diabate

Albumtitel: Masaba Kan

Barcode: 4260075860855

Katalognummer: JHR 085

Release date: 28. März 2014

Label: Jazzhaus Records

 

„Ein riesengroßes, farbenprächtiges Mosaik, in dem alle Steine die Freiheit haben, ihre Position, Farbe und Form zu ändern“ – so sieht Mamadou Diabaté die Welt. Der Balafonspieler aus Burkina Faso lebt diese Überzeugung mit Leib und Seele: Tief verwurzelt in der Jahrhunderte alten Griot-Kultur Westafrikas belebt er diese mit neuen Geistesblitzen aus Pop, Jazz und Funk. Sein neues Werk „Masaba Kan“ lässt das Mosaik Burkina Fasos in neuem, aufregendem Glanz schillern.

 

Wenn es um Weltmusik geht, hat Mali auf dem schwarzen Kontinent seit vielen Jahren die Nase vorn. Dabei verfügt der Nachbarstaat Burkina Faso über eine ebenso reiche Musikszene, bildet mit der ganzen Region einen gemeinsamen Kulturraum. Mächtige Reiche, die bis auf das 11. Jahrhundert zurückgehen, entwickelten eine Hochkultur, die die des europäischen Mittelalters übertraf. Der Griot hatte damals als Bewahrer der Geschichte in Musik und Wort eine zentrale Position, und dieser Berufsstand hat auch im nachkolonialen Westafrika immer noch Bedeutung. Eine der wichtigsten Griotfamilien stellt der Klan der Diabaté dar.

 

Mamadou Diabaté, Spross des berühmten Klans, wurde bereits mit acht Jahren bei großen Meistern des Balafon unterwiesen. Rasch entwickelte er sich selbst zu einem der herausragenden Könner auf dem afrikanischen Xylophon, gewann seit den Achtzigern über die Jahrzehnte hinweg immer wieder erste Preise bei nationalen Balafonwettbewerben in seiner Heimat. Doch Diabaté ist nie in der reinen Lehre stecken geblieben. Auf seinen bislang neun CDs offenbart der Burkinabé, wie er das virtuose Spiel – solo oder mit seiner Band Percussion Mania – einer zeitgenössischen Sprache öffnet. Das Spektrum geht dabei von afro-kubanischen Anklängen über Jazz bis zu österreichischen Tönen, womit er seiner Wahlheimat Wien huldigt.

 

Auf „Masaba Kan“ zeigt der charismatische Musiker seine Klangwelt in 13 packenden Stücken voller improvisatorischer Finesse, kraftvoller Melodik und rhythmischer Vielschichtigkeit. Unterstützt wird er von seiner siebenköpfigen Band mit der Spießlaute Ngoni, Flöte, Djembe, Talking Drums, Basstrommel Dundun und E-Bass. Immer wieder sticht die helle Stimme von Sängerin Kandy Guira aus den dicht gewobenen Grooves heraus, sie ist der zweite Star neben den halsbrecherisch virtuosen Intermezzi von Mamadou. Vorwärtsstürmende Tanzstücke wie „Tonton Tanti“ wechseln mit bluesig aufgeladenen Hymnen („Fenba“) majestätische Balafontraditionen („Son Min te Ne La“, „Yentogon“) mit melancholischen Poptönen („Sanji“) oder fusionrockigen Strukturen („Danga“).

 

Dabei ist Diabaté auch stets ein Botschafter seiner ersten Heimat und verschweigt deren Probleme nicht: Er singt über den schnellen Profit der Baumwollindustrie, über die falschen Erwartungen der Verwandten in der Heimat an die „reichen“ Auswanderer, er stimmt ein Gebet gegen die Dürre an. Ein Herzensanliegen ist ihm die Bildung in Burkina Faso, die er gleich zum Thema von zwei Songs macht („Fenba“, „Jigiya“): Diabaté ist Gründer einer Volksschule, die 450 Kindern in Burkina Faso kostenfreien Unterricht ermöglicht.

 

Auf der Gästeliste stehen außerdem zwei illustre „Brüder“ aus dem befreundeten Mali: Zum einen konnte Mamadou den Namensvetter Toumani Diabaté gewinnen, den wohl bekanntesten Stegharfen-Spieler Westafrikas und u.a. Duopartner von Ali Farka Touré. Außerdem waltete Cheick Tidiane Seck, der auch auf der credit list von Youssou N’Dour, Hank Jones und Dee Dee Bridgewater steht, am Mischpult und griff Diabaté mit Keyboard-Einlagen und beim Arrangieren unter die Arme.

“Masaba Kan“ ist ein Schaukasten für ein modernes Afrika, das dennoch nicht die Nabelschnur zur Tradition durchtrennt hat. Mit seinem neuen Album steht Mamadou Diabaté im 21. Jahrhundert, fest bauend auf dem Fundament der altehrwürdigen Griots.

                                                                                                              von Stefan Franzen