Mamadou Diabate - BIOGRAFIE

Presse

Mamadou Diabate, Jahrgang 1973, kommt aus einer westafrikanischen "Jeli"- (Griot-)Familie in Burkina Faso, wo Musizieren und Geschichtenerzählen seit Menschengedenken als Familienberuf ausgeübt werden. Der allererste Diabate (ursprünglich Dian-baga-te = der Unwiderstehliche) wurde im Sundjata-Epos (13. Jh.) erwähnt.

 

Er war ca.5 Jahre alt, als seine professionelle Ausbildung begann. Zunächst zu Hause bei seinem Vater Penegue Diabate , der zu Lebzeiten weit über die Grenzen der Sambla-Kultur hinaus als der beste Balafonist galt.  Sein Balafonsolo war mehr als zehn Jahre lang das Signal von Radio Burkina. Später unterrichteten Mamadou seinen älteren Brüdern Sadama und Sibiri,  die als die populärsten Balafonisten der Sambla galten. Heute ist es Mamadou Diabate.

 

Er war 8 Jahre alt, als er anfing, seine Lehrlingsjahre bei namhaften Balafonisten der Nachbarvölker wie Siamou, Tusia, Senufo, Gan, Lobi, Dagara, Bobo zu absolvieren. Von seinem Lehrer in der Tusia Region, Daouda Diabate, hatte er eine einzigartige Virtuosität angeeignet - manche Leute sagen, er habe mehr als zwei Hände. Daouda war der "Großmeister " des hochentwickelten polyphonischen und polymetrischen Balafonspiels. Diese schwierige Technik erlaubt Mamadou in seinen Solo-Konzerten den Eindruck zu erwecken, es würden drei Balafonisten zusammen spielen.

Zu dieser Zeit haben die Jelis ihren vorkolonialen Ruf und Einkommen als Hüter der Tradition, Sprecher der Herrscher und Lehrer deren Kinder schon längst verloren.  Der Direktor der Grundschule hatte Mamadou wiederholt verjagt, weil seine Eltern das Schulgeld nicht bezahlen konnten. Damals beschloss er, eine Schule zu bauen, die für jedermann frei ist - bis auf jenen Schuldirektor ...

 

Mit 11 Jahren - frustriert von seinen Zukunftsperspektiven im Dorf - brannte er durch. Er beschloss, seinen musikalischen Horizont in Bobo Dioulasso (zweitgrößte Stadt und zugleich die musikalische Hauptstadt von Burkina Faso) zu erweitern. Dies geschah allerdings gegen den Willen seiner Eltern, die von ihm die Fortführung der Jeli-Tradition erwarteten. Mit Hilfe der später weltberühmt gewordenen neo-traditionellen Gruppen wie Farafina, Sababugnoma, Frères Coulibaly, lernte er andere Musikinstrumente zu spielen, wie Ngoni (Jägerharfe), Dundun (Basstrommel), Lunga (Talkingdrum) und das wichtigste Instrument des "Bobo-Dioulasso-Stils, die Djembe. Die Versöhnung mit seiner Familie fand 4 Jahre später in 1988 statt, als sein Vater für das Nationale Kulturfestival von Burkina Faso (SNC) einen zweiten Balafonisten suchte und keinen geeigneten fand. Der kleine Rebell Mamadou hatte sich bis dahin zu einem hervorragenden Musiker entwickelt. In den nachfolgenden Jahren haben sie wiederholt den ersten Preis gewonnen. Die Videoaufnahmen ihrer Siege  sind im Fernseharchiv von Burkina Faso zu finden.

 

1991 gründete er, zusammen mit Ousmane Dembele ("Zoumana") Moussa Coulibaly und Abdoulaye Dembele, seine erste Band namens "Landaya". Er wurde Komponist und Solobalafonist der Gruppe. 1998, nach sechs Jahren harter Arbeit gewannen sie den ersten Preis des Nationalen Kulturfestivals.

Während des Pan African Film und Television Festivals (FESPACO) in Ouagadougou lernte er einen österreichischen Reisenden kennen, der von der Musik des Sambla fasziniert war und Mamadous herausragende musikalische Begabung erkannte. Aus dieser Begegnung entstand eine tiefe Freundschaft. 1998 überredete er Mamadou, die Sambla und deren Balafonkultur in Europa zu präsentieren. Wohl wissend, dass dies für ihn eine große Chance ist, nahm Mamadou die Möglichkeit war und reiste erstmalig nach Österreich.

 

Im Jahr 2000, nach Absolvierung der traditionalen Initialisationsschule und Rituale der Sambla,  übersiedelte er nach Österreich. Um als Erwachsener zu gelten, müssen junge Männer die  Geschichte und Tradition der Sambla erlernen. Dazu werden sie, abseits der Zivilsation, einer alten Geheimsprache gelehrt um essentielle Rituale durchführen zu können. Die Sambla glauben, dass diese heilige Tradition für ein glückliches Leben und die Zukunft wichtig ist.

Auch das Balafon spielt hierbei eine bedeutende Rolle.

Seit er in Österreich lebt, hat er 11 CDs mit seiner eigenen Musik veröffentlicht und mit zahlreichen Musikern mit unterschiedlichen ästhetischen Ansätzen und aus verschiedenen  Ethnien zusammen gearbeitet wie:

Toumani Diabate, Abdoulaye Diabate, Achim Tang, Alex Jacobowitz, Andre Heller, Anja Losinger, Arkady Shilkloper, Bil Aka Kora, Cheick Tidiane Seck, Christian Kolonovits, Claudio Spieler, Fatoumata Dembele, Günter Meinhart, Habib Koité, Ismet Ruchimat, Jan Heinke, Jon Sass, Juan Garcia-Herreros, der Kora-Virtuose Mamadou Diabate, Maika & Sara Gomez, Neba Solo, Shayan Fathi, Sigi Finkel, Terje Isungset, Thomas Berghammer, Werner Wurm, Wolfgang Puschnig.

 

Außerdem wurde er zu zahlreichen internationalen Festivals eingeladen wie:

 

Glatt & Verkehrt Festival (Österreich), Brosella Festival (Belgien), Masala (Deutschland), 5em continent (Schweiz), Colours of Ostrava (Tschechien), Global Village Festivals (Dänemark), Saalfelden Jazz Festival (Austria), Ingolstadt Jazz Festival (Deutschland), Ice Music Festival (Norwegen), Tanz- & Folkfest' in Rudolstadt (Deutschland), Printemps de Musical (Luxemburg), Afrika Festival Wuerzburg (Deutschland), Global Village Moscow (Rußland, Rain Forest Festival (Malaysien), Fleur de Niger (Mali), Sunsplash Wiesen (Deutschland), Kasumama (Deutschland), Chiala Graz (Österreich), Weltmusik Festival Bielefeld (Germany), Afrika Festival Wassertrüderingen (Deutschland), Sufi Sutra (Indien), Jazz a Ouaga (Burkina Faso) Triangle du Balafon (Mali).

 

Bereits im August 2001 schaffte er den internationalen Durchbruch mit seiner CD "Sababu man dogo" (Die kleinste Chance ist groß genug), mit eigenen Kompositionen im beliebten Bobo-Dioulasso Stil, wo er alle Instrumentalparts selbst spielte. Die Präsentation fand Ende Oktober 2001 in ORF2 sowie in Ö1 statt.

 

Durch diese CD erhielt er die Einladung zum Wolfgang Meyerings "Magic Marimba" Projekt fürs "Tanz- & Folkfest " von Rudolstadt / Deutschland im Jahr 2003. Dies war die erste große Herausforderung für Mamadou in Europa . Sieben Musiker aus sechs verschiedenen Ländern, die einander nicht kannten, wurden gebeten, eigene Kompositionen vorbeizubringen und ein innerhalb von drei Tagen ein komplettes Konzertprogramm einzustudieren. Es gibt eine vom deutschen TV-Sender MDR produzierte, ausgezeichnete 60 minütige VHS-Dokumentation über die Proben und die Konzerte.

 

Seine zweite CD "Keneya" (Wohlbefinden) ist eine Weltpremiere. Die Aufzeichnung mit Musik und  Sprache der Sambla wurde im Mai 2002 veröffentlicht und ist die erste jeglicher Art weltweit. Er musste alle Instrumentalparts selbst spielen, weil er der einzige Sambla in Österreich war. Was Außenseiter für eine äusserst schöne Musik bezeichnen, ist die in Musik umgesetzte gesprochene Sprache der Sambla. Ohne den Mund zu öffnen, können Sambla Balafonisten Geschichten erzählen, über aktuelle Ereignisse berichten, mit den Anwesenden plaudern, Leute verspotten, die sie geärgert haben oder einer hübschen Frau den Hof machen.  Für die Sambla ist dies selbstverständlich. Musiker, die diese Sprache nicht sprechen, können Sambla Musik gar nicht spielen.

 

Zwischen 2002 und 2005 leitete er seine Afro-Jazz-Band „Bekadiya“ angereichert mit klassischen und Jazz-Musikern - wie Achim Tang (Kontrabass), Thomas Berghammer (Trompete, Flügelhorn ), Werner Wurm (Posaune), Shayan Fathi (Schlagzeug)  . 2003 veröffentlichten sie die CD "Sira Fila" (Zwei Wege).

 

Seit seiner Ankunft in Österreich kooperiert er mit dem Saxophonisten Sigi Finkel. Zunächst als Mitglied von Sigis "African Heart" Gruppe, dann in einem Duo. Ihre Duo-CD "Folikelaw" (ein Konzertmitschnitt ) wurde in 2005, ihre CD "Yala" in 2010 - vom österreichischen Rundfunk veröffentlicht. Sigi ist einer der sehr seltenen europäischen Musikern, die es geschafft haben, auf "Sambla-Art" musizieren zu können.

 

Zusammen mit dem Kora-Virtuosen Mamadou Diabate aus Mali  komponierte er Musik für das Hörbuch "Afrikanische Liebesgedichte " im Jahr 2007.

 

Mit seinem im Jahr 2006 gegründeten Projekt "Percussion Mania" konzentriert er sich wieder auf sein westafrikanisches Erbe. Es begann als Trio und wuchs bis zu 7 Personen auf der Bühne - gelegentlich mit Musikern aus anderen Teilen Afrikas oder aus Südamerika erweitert. Die Musikalischen Dialoge und spektakuläre Balafonduelle zwischen den beiden Brüdern Mamadou und Seydou Diabate sind im Zentrum von dieser Musik. Es ist weltweit die einzige Band die zwei Balafone als Hauptinstrumente in den Vordergrund stellt. Bisher haben sie drei CDs veröffentlicht:

 

1.     Kamalenya (2006) ein Trio mit Louis Sanou und Karim Sanou;

2.     Kanuya (2011) mit Studio Percussion Graz, Insingizi, Jon Sass, Wolfgang Puschnig, Silvio Gabriel, Ismael Barrios, Edison Tadeu als Gastmusiker;

3.     Masaba Kan (2014) mit Toumani Diabate und Cheick Tidiane Seck als Ehrengäste.

 

Mit "Kanuya" gewann er den österreichischen World Music Award im Jahr 2011 und im Jahr 2012 den Grand Prix des "Triangle Du Balafon" in Sikasso in Mali. Für sein Balafonspiel, wurde er dort auch mit dem "Prix Alkaly Camara de la virtuosité" geehrt.

 

Die Förderung der Sambla, Tusia und Siamou Musiktraditionen ist für ihn eine permanente Herzensangelegenheit. Mit seinem Lege-Lege-Foli Projekt im Jahr 2009 bekamen die Europäer die erste Gelegenheit, authentische Sambla und Tusia Musiker in Europa zu hören. Im selben Jahr veröffentlichte er zwei CDs mit ihrer authentischen Musik: die "Sambla Fadenya" und die "Tusia Fadenya".

 

Sein alter österreichischer Freund hatte ihm jahrelang ans Herz gelegt, ein Solo Balafon-Album zu veröffentlichen.  Der entscheidende Impuls kam vom kanadischen Pianisten Marc-Andre Hamelin, als er Leopold Godowskys Chopin-Studien für die linke Hand spielte. Mamadou war erstaunt, was alles mit den 5 Fingern einer Hand möglich ist. Er fühlte sich herausgefordert und fing an, intensiv zu experimentieren, um herauszufinden, was mit zwei Zeigefingern (Schlägeln) möglich ist. Das Ergebnis ist seine CD "Fenba" - ein spektakuläres Feuerwerk - die 2010 veröffentlicht wurde.

 

Seit 2008 nimmt er im Trio-Projekt von Wolfgang Puschnig (Alt-Saxophon und Flöte) mit Jon Sass (Tuba) Teil. Sie veröffentlichten eine CD "Mutua" im Jahr 2012.

 

Mamadous neueste CD "Barokan" aus 2015 ist ein Trio Projekt zusammen mit Dramane Dembele auf afrikanischer Flöte und Claudio Spieler am Schlagzeug. Auch Fans der klassischen Kammermusik würden es genießen.

 

Das kommende Projekt "Douba Foli" ist eine Percussion Mania-Tour mit einer CD-Veröffentlichung im Mai 2016 mit Abdoulaye und Modibo Diabate - zwei beliebte Sänger aus Mali - sowie Wolfgang Puschnig, Sigi Finkel und Jon Sass.

 

Der brennendste Herzenswunsch für Mamadou seit seiner Kindheit, armen Kindern in Burkina Faso Schulbildung zukommen zu lassen, ging am 14. September 2010 in Erfüllung. Seine Grundschule in Bobo Dioulasso wurde nach 6 Jahren harter Arbeit und mit der großzügigen Hilfe wohlwollender Menschen und Organisationen aus Europa offiziell eröffnet. Heute werden dort ca. 450 Kinder kostenfrei unterrichtet. (siehe: www.sababu.info)

 

- "Die unglaubliche Geschichte von Mamadou Diabate"

     FALTER, Carsten Fastner, 13/2011